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Foto Quelle: ap/taz

Fridays for Future

Rede von Bettina Peipe anlässlich ihrer Teilnahme an einer Fridays for Future Demonstration auf dem Heinrich-König-Platz

Hallo meine lieben Mitstreiterinnen und Mitstreiter,

der Klimakollaps ist nicht mehr weit entfernt. Die Daten, die in den letzten Jahren von Wissenschaftlern auf der ganzen Welt veröffentlicht wurden, sind dramatisch.

Grob gesagt wird uns noch ein Zeitfenster  von ca. 10- 12 Jahren gegeben, in dem wir noch energiepolitisch umsteuern können. Weil ab einem bestimmten Punkt Prozesse in Gang gesetzt werden, die irreversibel sind. Das läuft dann ab wie bei einer nuklearen Kettenreaktion. Man kann es nicht mehr stoppen. Wir alle müssen unsere Anstrengungen bündeln, um zu verhindern, dass dieses Horrorszenario eintritt.

Bis heute hat man bei den etablierten Parteien nicht unbedingt den Eindruck, dass die Dringlichkeit wirklich erkannt worden ist. Gerade auch die Aufstellung bestimmter Kandidaten zur Europawahl ist ein beredtes Zeichen, dass die Zeichen der Zeit nicht erkannt wurden. Wer einen bayrischen Lobbyisten als neuen Kommissionspräsidenten vorschlägt, zeigt im Grunde der gesamten Klimabewegung den Stinkefinger. Dass man es überhaupt wagt solche Leute vorzuschlagen, zeigt die ganze Arroganz und Unglaubwürdigkeit solcher Leute.

Wir brauchen eine energiepolitische Wende, die wirklich an die Grundlagen geht. Wer glaubt, in einem System, wie dem heutigen Casino-Kapitalismus eine solche Wende durchsetzen zu können, ist nicht nur naiv, sondern er oder sie haben bestimmte Mechanismen in unserem heutigen Wirtschaftssystem nicht verstanden.

Wenn Profitmaximierung das oberste Prinzip ist, dann wird alles andere dem untergeordnet. Wir haben seit Jahrzehnten ein Wirtschaftssystem, das zulässt, dass alle 5 Sek. ein Kind an Hunger stirbt. Millionen Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und Millionen Menschen sterben jährlich an behandelbaren Krankheiten, weil sie zu arm sind, sich  die nötigen Medikamente zu beschaffen. Ein solches System ist menschen- und naturverachtend. Das hat selbst der Papst erkannt, der in seiner Enzyklika Evangelii Gaudium den Satz geprägt hat: Diese Wirtschaft tötet!

Klimaschutz und das ist mir persönlich und meiner Partei besonders wichtig, bedeutet immer auch, die soziale Komponente mitzudenken. Die ökologische und die soziale Frage gehören zusammen und sind nicht zu trennen. Man wird eine Akzeptanz für eine Energiewende nur hinbekommen, wenn man die Menschen, die im Moment noch in klimaschädlichen Industrien arbeiten, mit einbezieht und ihnen Perspektiven aufzeigt.

Am wichtigsten scheint mir jedoch, dass wir endlich begreifen, dass Klimaschutz und Frieden zusammen gedacht werden müssen. Die heutige Art der Energiegewinnung bedeutet zwangsläufig Kriege um Energieressourcen, wie wir gerade im Moment wieder allzu deutlich von dem Herrn im Weißen Haus aufgezeigt bekommen, der gerade den nächsten Krieg, in diesem Fall gegen den Iran, vorzubereiten scheint.

Wir müssen begreifen, dass nichts teurer und ressourcenverschwendender ist, als Hochrüstung. Die Milliarden, die jetzt verschwendet werden, um in Deutschland das 2% Ziel zu erreichen, sprich 2 Prozent der Wirtschaftsleistung sollen in Rüstung fließen, steht nicht für nützliche Maßnahmen und Projekte zur Verfügung, beispielsweise für die Energiewende. Das muss aufhören! - genauso wie die Subventionierung klimaschädlicher Industrien und Verhaltensweisen. Das muss gestoppt werden.

Wir geben im nächsten Jahr weltweit 1,8 Billionen für Rüstung aus. Ein Bruchteil dieser irrsinnigen Summe umgeleitet in vernünftige Projekte und wir könnten die Klimakatastrophe verhindern und die Welt friedlicher und menschlicher machen.

Lasst uns damit beginnen, uns gegen Leute zur Wehr zu setzen, die ihren persönlichen Profit über alles stellen. 8 Menschen besitzen so viel wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung und ca. 50 Konzern- Konglomerate bestimmen faktisch durch Lobbyismus und massive Beeinflussung von Politik das Leben von 7 Milliarden Menschen und das muss ein Ende haben.

Wir brauchen endlich eine Demokratie, in der sich die Interessen der Mehrheit der Menschen durchsetzen. Die Zeit ist reif für ein demokratisches  Wirtschaftssystem, denn nur so werden wir den Klimakollaps aufhalten können.

Und jetzt noch eines: Lasst euch nicht spalten in Alt und Jung! Es gibt nur Menschen, die für eine progressive Politik stehen und Menschen, die für eine reaktionäre, rückwärtsgewandte Politik stehen. Das ist es, worum es geht- hier verläuft die Bruchlinie, nicht zwischen Alt und Jung.

Wir wünschen euch weiterhin viel Kraft und Energie, um verkrustete Strukturen aufzubrechen und was immer wir tun können, um das politisch zu unterstützen, werden wir tun. Ich danke euch!