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Pharisäer, Scharlatane, Beutelschneider oder Mesut Özil als willkommenes Bauernopfer

Ein Kommentar von Bettina Angela Peipe

Um es gleich vorwegzusagen, ich persönlich interessiere mich überhaupt nicht für Fußball und, ob und wer bei irgendwelchen Meisterschaften gewinnt oder verliert, interessiert mich ungefähr so sehr wie der berühmte Sack Reis, der irgendwo in Absurdistan umfällt.

Ich gönne aber jedem sein Hobby. Was mich jedoch stört ist,  dass für viele Menschen Fußball zum Lebensersatz wird. Versucht man Menschen dazu zu bekommen, sich für ihre Interessen einzusetzen, dann erntet man oft nur ein müdes Lächeln, obwohl es hierbei um wichtige Dinge geht, wie die skandalös niedrige Höhe der Löhne in diesem Land, eine Rente von der man nicht leben kann oder die Tatsache, dass Deutschland Waffen in alle Herren Länder verscherbelt.

Zum Thema Fußball und Mesut Özil wollte ich mich eigentlich gar nicht äußern, aber mittlerweile ist das Thema zu einem Politikum geworden und dazu sollte man Stellung nehmen.

Nicht, dass mich jemand missversteht, auch Özil ist Teil des Systems und auch er ist Opfer und Täter in diesem Spiel. Aber verglichen mit den anderen Playern, die jetzt über ihn herfallen, ist er nur ein kleines Licht.

Die Verlogenheit der verantwortlichen Sportmanager, Politiker und Medienvertreter ist schlichtweg nicht mehr zu ertragen. In schöner Einhelligkeit prügelt man auf Özil ein, weil er sich mit Präsident Erdogan hat ablichten lassen. Für meinen Geschmack hatte das Hautgout, aber darum geht es mir jetzt nicht. Ich habe jedenfalls von der deutschen Journaille niemanden aufheulen hören, als sich unsere Bundeskanzlerin vor einer Wahl in der Türkei mit diesem Herrn hat ablichten lassen und Erdogan damit faktisch im eigenen Land Wahlkampfhilfe geleistet hat. Ich habe keine wütenden Kommentare gelesen, warum wir weiterhin Waffen an die Türkei liefern, obwohl die Türkei, noch dazu als Nato-Mitglied,  mittlerweile einen mörderischen, völkerrechtswidrigen Angriffskrieg in Syrien führt, bei dem jetzt deutsche Waffen beteiligt sind. Haben sie diesen Begriff „völkerrechtswidriger Angriffskrieg“  in irgendeinem Kommentar gelesen. Außer bei der LINKEN wohl kaum. Denn da gilt bei den Herrn „Journalisten“ und Politikern der schöne römische Sinnspruch: Pecunia non olet.- Geld stinkt nicht.

Solange wir in der Türkei  mit Waffengeschäften „gutes“ Geld machen und solange uns Erdogan Flüchtlinge vom Hals hält, stört sich niemand am windelweichen Verhalten der deutschen Regierungen der letzten Jahre, schon gar nicht die sogenannte kritische Presse, die sich zuweilen so benimmt,  als sei sie Mutti Merkels persönliche Pressestelle.

Ja, Charaktermasken wie Heiko Maas, dessen Rückgrat, genau wie das von Mutti Merkel aus einem  Gummischlauch zu bestehen scheint, treten auch noch mit solchen Sätzen nach: “Ich glaube auch nicht, dass der Fall eines in England lebenden und arbeitenden Multimillionärs Auskunft gibt über die Integrationsfähigkeit in Deutschland”

Und dass von einem Typen, der gerade dabei ist aus purer Ahnungslosigkeit, Karrieregeilheit und blanker Speichelleckerei die Entspannungspolitik Willy Brandts in die Tonne zu treten, dessen Parteikollege Olaf Scholz gerade den Oberzocker von Goldman- Sachs zu seinem Staatssekretär gemacht hat, damit dieser die Zocker in die Schranken weist (guter Witz!). Dessen Partei SPD sich nicht einmal mehr traut eine Vermögensteuer zu fordern und dessen Partei in Deutschland und Europa sehr zur Freude von CDU/CSU, FDP und AfD die Großkonzerne und Multimilliardäre schützt, auf dass sie ja keine Steuern zahlen müssen. Genau dieses moralische Prachtexemplar und Totalfiasko der deutschen Außenpolitik meint, sich über Mezut Ozil erheben zu müssen. Einfach widerlich!

Noch schlimmer benehmen sich die üblichen geleckten Sportfunktionäre und Sponsoren, die Özil jetzt ins Kreuz treten, die lieber ihre lukrativen Verträge schützen als selber Verantwortung zu übernehmen. Oliver- ich liebe Atomernergie- Bierhoff, dessen angestammtes Biotop normalerweise die Darmschleimhaut der Kanzlerin zu sein scheint, macht Özil für das Aus der deutschen Mannschaft verantwortlich.

Sponsoren sagen sich „aus moralischen Gründen“ von ihm los, die sonst immer in der ersten Reihe stehen, wenn es darum geht, den deutschen Steuerzahler und Konsumenten um Milliardensummen zu betrügen,  die für 30 000-40 000 Tausend Tote auf Deutschlands Straßen verantwortlich sind, weil sie Autos verkaufen, deren Abgaswerte von ihnen massiv manipuliert wurden. Und die sonst bereit sind, jeden minderwertigen Dreck als Gesundbrunnen und Fitnessprodukt an Konsumenten zu verscherbeln, egal wie süss, fettig oder ansonsten gesundheitsschädlich das Zeug ist.

Es sind die gleichen Leute, die, wie Beckenbauer als offizieller Repräsentant des DFB, die deutsche Stimme für die WM-Ausrichtung 2022 an eine Diktatur wie Katar gegeben haben. Nachdem auf den dortigen Stadionbaustellen, schlimmste, jeder Menschenwürde spottende Zustände ruchbar geworden waren positionierte sich Beckenbauer in einer Weise, die einfach nur noch zum Speien war. Ca. 400 Tote soll es auf den Baustellen in Katar gegeben haben, die Dunkelziffer liegt vermutlich weit höher, aber Beckenbauer schwadronierte darüber, dass er in Katar noch keinen Sklaven und niemanden in Ketten gesehen habe. "...die laufen da alle frei rum.“ So seine launige Einlassung. Ja, jedes Volk hat wohl die „Lichtgestalt“ die es verdient. Bei einigen dieser Gestalten war es wohl eher eine Funzel.

Katar wird auch vorgeworfen, einer der wichtigsten Finanziers der Terrormiliz „Islamischer Staat“ zu sein, Katars Rechtssystem gründet in der Hauptsache auf der Scharia, aber zu solchen Petitessen kein Wort von unserer herzallerliebsten Kanzlerin oder von unserem geistigen Tiefflieger im Außenamt, Maas, die es sich wohl nicht mit einem Großinvestor bei deutschen Traditionsmarken wie Volkswagen, Siemens, Deutsche Bahn und Deutsche Bank verderben wollen.  Deutschland rüstet diese Golfdiktatur seit Jahren auf. 2018 hat Katar 24 Eurofighter-Kampfjets im Wert von 6 Milliarden Euro bei einer britischen Firma bestellt, an deren Produktion auch Deutschland beteiligt ist. Dabei schließt der Koalitionsvertrag solche Waffenlieferungen explizit aus, erst recht, da sich Katar an einem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg im Jemen beteiligt. Aber Papier ist ja bekanntlich geduldig und wir erinnern uns an den Merk(el)spruch: Pecunia non olet! Gell!

Aber immer, wenn man denkt, es geht nicht noch schlimmer, setzt irgendein Typ, der sein Resthirn schon unter einen bayrischen Stammtisch gesoffen hat, noch eins drauf. Uli Hoeneß geschätztes Gesamtvermögen ca. 300 Millionen Euro, jährliches Gehalt beim FC Bayern ca. 1,5 Millionen, meinte sich moralisch so überlegen fühlen zu dürfen, um auch über Özil herzufallen.

Man darf noch einmal daran erinnern, dass dieser Mensch die größte Steuerhinterziehung begangen hat, die jemals einer Einzelperson in Deutschland zur Last gelegt worden ist.

28,5 Millionen Euro hat dieses Etwas hinterzogen. Geld für das Kitaplätze hätten eingerichtet werden können, Pflegekräfte eingestellt oder der Hartz IV Satz hätte erhöht werden können. Und man darf vermuten, dass die eigentliche Hinterziehungssumme noch höher gelegen haben dürfte, nur seine Parteispezl haben dafür gesorgt, dass lieber nicht noch mal genauer nachgeschaut wurde und sie waren es auch, die für ihn in die Bresche gesprungen sind, als es darum ging, die Strafe nicht zu hoch ausfallen zu lassen. Seine Strafe für die höchste Steuerhinterziehung einer Einzelperson, die jemals zur Anklage kam, lag vollständig an der Untergrenze dessen, was möglich gewesen wäre. (Der Gesetzgeber sieht für Steuerhinterzieher hier Geldstrafen oder eine Freiheitsstrafe von bis zu 5 Jahren, in besonders schweren Fällen bis zu 10 Jahren vor. Für das konkrete Strafmaß spielt insbesondere die Höhe der hinterzogenen Steuern eine entscheidende Rolle.) Hört! Hört!

Hoeneß musste jedoch dank guter Beziehungen nur 3 Jahre und 6 Monate hinter Gitter, aber schon nach sieben Monaten war der saubere Herr „Freigänger“ und nach 637 Tagen in Haft wurde die Reststrafe zur Bewährung ausgesetzt. Und das in einem Bundesland, in dem Schwarzfahrer schon mal 3 Monaten hinter Gittern landen. Früher nannte man das Klassenjustiz!

Weil den meisten Menschen aber scheinbar nicht klar ist, wozu Steuern da sind, nämlich dazu, ihnen allen ein akzeptables Leben in einem Sozialstaat zu ermöglichen, nahm man den keinesfalls einsichtigen Kriminellen Hoeneß wieder in den Schoß der FC Bayern- Familie auf und feierte ihn wie einen Volkshelden.

Ein schöneres Beispiel für die systematische Verdummung der Bevölkerung durch die Politik und die Presse à la BILD und Konsorten kann es eigentlich nicht mehr geben.

Und spätestens hier hört der Spaß auf. Hier hört Fußball auf, die schönste NEBENSACHE der Welt zu sein, hier wird Fußball zum Herrschaftsinstrument, zum falschen Bewusstsein der Bürger, die so Entscheidungen treffen, die gegen ihre eigenen Interessen gerichtet sind und es nicht mal mehr merken.

Somit ist es auch nicht verwunderlich, dass das Drecksblatt BILD, in ganz besonders perfider Weise auf Özil eindrischt. Solange die Bevölkerung sich an ihm abarbeitet, kann die Politik ihre gegen die Bevölkerung gerichtete Politik ungestört weiter betreiben. Und darum geht es: Empörungsmanagement!

Zukünftig sollte jeder Bürger, der sich regelmäßig  von diesem Hetzblatt verdummen lässt, sich diesen schönen Satz von einem unserer talentiertesten Kabarettisten, Christoph Sieber, als Sinnspruch hinter den Spiegel stecken: Jede nicht gekaufte und nicht gelesene BILD ist ein Sieg der Humanität über die Niedertracht!

Hinweise:

Oliver Bierhoff hat den Energiepolitischen Appell, einer Initiative der vier großen Stromkonzerne zum Erhalt der Atomenergie, mitunterzeichnet.

Mesut Özil war Werbeträger der BILD