Olympia? - nein Danke!
Die Rede unserer Stadtverordneten Bettina Peipe bei der Ratssitzung vom 11.12.2025. Die Linke Gelsenkirchen wird sich gegen eine Bewerbung der Stadt Gelsenkirchen als Ausrichterkommune der Olympischen Spiele aussprechen.
Frau Oberbürgermeisterin, meine Damen und Herren,
Der Ratsbeschluss, der heute hier durchgeführt werden soll, zur Durchführung eines Bürgerentscheids, scheint uns nur die in solchen Fällen übliche Demokratiesimulation zu sein, indem man vorgibt, dass die Bürger mitentscheiden können sollen, ob es zu einer solchen Bewerbung kommt oder nicht.
Aber in der Realität muss man wohl feststellen, dass der Bürger nur in der üblichen Weise durch die interessierten Kreise aus Politik, Wirtschaft und Lobby- Verbänden eingeseift und desinformiert wird, um diesem Projekt schlussendlich zuzustimmen. Die Medien wirken hier in der Regel leider als Verstärker dieser Versuche der Manipulation der öffentlichen Meinung, indem Kritiker kaum zu Wort kommen oder als Bedenkenträger diffamiert werden.
Gerade der Entscheid in München ist ein wunderbares Beispiel für dieses unrühmliche Verhalten der Stadt wie auch der Medien. Die Stadt München informierte die Bürgerinnen und Bürger vor dem Entscheid ausschließlich mit Pro-Argumenten für eine Olympia-Bewerbung – kritische Stimmen oder Contra-Positionen fanden keine Erwähnung. Die Briefwahlunterlagen enthielten nur Argumente für eine Olympia-Bewerbung. Von auch nur einer pro-forma-Ausgewogenheit kann hier also nicht im Entferntesten die Rede sein. Aber eine Entscheidung ist immer nur so gut wie die Vorabinformationen, die die Bürger bekommen.
Im Übrigen sollte man auch noch erwähnen, dass bei Bürgerentscheiden die Teilnahme deutlich zu wünschen übrig lässt. In München -um das Beispiel noch einmal zu bemühen- lag die Teilnahme bei 42%. Man darf vermuten, dass hier wieder die üblichen Verdächtigen überproportional abgestimmt haben, sprich die Menschen, die von diesem Großereignis profitieren würden, während die Menschen, die sich so abgehängt fühlen, dass sie nicht einmal mehr zur Wahl gehen, den Brief wohl eher in den Papierkorb befördert haben dürften. Deren Probleme sind Lichtjahre von solchen Großereignissen entfernt. Sie möchten endlich wieder bezahlbare Mieten, lebensstandardsichernde Renten, ein funktionierendes Gesundheitswesen und steigende Löhne. Man stellt sich natürlich auch die Frage, warum immer nur bei solchen Nebensächlichkeiten die Bürger befragt werden, aber nie, ob sie Militarisierungskosten von fast einer Billion, noch dazu schuldenfinanziert, als Steuerzahler und Bürger übernehmen möchten. Das wird ihnen einfach so aufgedrückt, in der undemokratischsten Weise beschlossen von einem abgewählten Parlament.
Für die Olympia-Austragung müssten NRW-weit erhebliche Investitionen getätigt werden.
Die neuen Anlagen erfordern ein erhebliches Finanzvolumen, das dann nicht mehr für dringend benötigte Investitionen in den Bereichen Wohnen, Kita oder Schule in den Kommunen zur Verfügung stünde. Die Linke möchte stattdessen lieber den Breitensport fördern. Wir wollen mehr Bolzplätze in den Stadtteilen, mehr und besser ausgestattete Turn- und Schwimmhallen und Fußballplätze für die Vereine und Schulen, anstatt das Geld in teure Prestigeprojekte wie Olympia zu versenken.
Viele ehemalige Ausrichterstädte mussten außerdem die leidvolle Erfahrung machen, dass Mieten weiter explodierten, die Verdrängung von sozial benachteiligten Menschen vorangetrieben wurde und die Kommunen auf riesigen Schuldenbergen sitzen blieben. Von den negativen Auswirkungen für Mensch, Natur, Klima, Stadtentwicklung, Verkehr und anderen Bereichen ganz zu schweigen. Die Linke Gelsenkirchen lehnt die Austragung olympischer Spiele in der Region ab und fordert sowohl eine Altschuldenregelung für die Kommunen als auch weitere von Land und Bund getragene Investitionspakete, um den Investitionsstau der vergangenen Jahrzehnte abzubauen. Olympia als Motor für eine zukunftsfähige und nachhaltige Entwicklung der Region kann man, angesichts der Erfahrungen anderer Städte, wohl bewusst in das Reich der Mythen und Legenden verweisen.
Besonders Gelsenkirchen sollte nach den finanziell katastrophalen Erfahrungen der Fußball-Europameisterschaft mit einem Schuldenberg von 13 Millionen für die Stadt klüger geworden sein. Und das Gerede vom Imagegewinn macht niemanden satt. Die Gelder für dieses Großereignis wären im sozialen Bereich sinnvoller eingesetzt gewesen. Sollte es heute zu einer Zustimmung zu dieser Vorlage kommen, so werden wir uns dafür einsetzen, auf allen Ebenen Aktivitäten und Aktionen zu unterstützen, die den Menschen die negativen Auswirkungen Olympischer Spiele
deutlich machen.
Allein der Anteil der Stadt an der Durchführung des Entscheids würde über 100 000 € kosten.
Abschließend möchten wir noch auf die unrühmliche Rolle des IOC hinweisen. Das IOC ist eines der größten privatwirtschaftlichen Unternehmen der Welt, es steht für Korruption, Bestechung, Demokratiefeindlichkeit. Das IOC zwingt den Ausrichtern sog. Host-City-Contracts auf, die der Stadt die volle Haftung auferlegen und das IOC von sämtlichen Steuern und Zöllen befreien. Das sind Knebelverträge, die dazu dienen Verluste zu sozialisieren und Gewinne zu privatisieren. So etwas sollten sich mündige Bürger nicht länger bieten lassen.
In Gelsenkirchen, der Stadt mit der höchsten Kinderarmut, dem niedrigsten Durchschnittseinkommen und einer extrem hohen Schulabbrecherquote haben wir definitiv andere Probleme zu lösen, als solche obskuren Großereignisse zu befördern, die den Interessen der Mehrheit entgegenstehen und die längst nichts mehr mit der ursprünglichen Bedeutung der Olympischen Idee zu tun haben. Aber der Mythos Olympia eignet sich immer noch gut für die übliche Gimpelfängerei.
Hier in Gelsenkirchen sollten wir die Beutelschneider stoppen oder - um es mit James Thurber zu sagen: „It is not so easy to fool little girls nowadays as it used to be.“
Danke!
